Die Juli-Ausgabe des Monitors zeigt ein Marktumfeld, das auf den ersten Blick sehr freundlich wirkt. Aktienmärkte erreichen neue Höchststände, die Energiepreise haben sich nach der Annäherung zwischen den USA und dem Iran deutlich beruhigt, und die Konjunkturdaten fallen regional unterschiedlich, aber nicht durchgehend schwach aus. Gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll: Die Marktbreite ist begrenzt, der KI-Investitionszyklus wird immer kapitalintensiver, und die Notenbanken stehen weiterhin vor einem schwierigen Inflationsdilemma.
Ein wichtiger Punkt ist die Entwicklung am Schweizer Aktienmarkt. Der SMI hat im Juni endlich ein neues Allzeithoch erreicht. Nachdem der Schweizer Markt gegenüber den USA längere Zeit hinterherlief, konnte er nun ebenfalls neue Rekordstände markieren. Der Leitindex stieg zeitweise auf über 14’260 Punkte und übertraf damit die bisherige Rekordmarke deutlich.
Diese Entwicklung ist für Schweizer Anleger relevant. Der Heimmarkt wurde in den vergangenen Monaten oft als defensiv, aber wenig dynamisch wahrgenommen. Das neue Allzeithoch zeigt nun, dass auch der Schweizer Markt wieder Anschluss an die internationale Aktienentwicklung findet. Gleichzeitig bleibt die Zusammensetzung wichtig: Der SMI wird stark von defensiven Schwergewichten geprägt, weshalb Bewegungen oft weniger dynamisch ausfallen als in den USA.
In den USA ist die Rekordserie deutlich ausgeprägter. Gemäss Dow Jones Market Data erreichte der S&P 500 im Jahr 2026 bis Anfang Juni bereits 24 neue Allzeithochs. Der Nasdaq Composite verzeichnete im gleichen Zeitraum 20 Rekordschlüsse. Diese Zahlen zeigen, wie stark die US-Aktienmärkte weiterhin von Technologie, künstlicher Intelligenz und grossen Wachstumsunternehmen getragen werden.
Der zentrale Treiber bleibt der KI-Investitionszyklus. Die vier grossen Hyperscaler Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta investieren 2026 rund 625 Mrd. USD in KI-Infrastruktur. Diese Summe ist aussergewöhnlich hoch und zeigt, welche strategische Bedeutung künstliche Intelligenz inzwischen hat. Es geht nicht nur um Software, sondern vor allem um Rechenzentren, Halbleiter, Netzwerke, Energieversorgung und Datenübertragung.
Der Monitor weist jedoch auf einen wichtigen Unterschied zu früheren Infrastrukturzyklen hin. Eisenbahnen, Stromnetze oder Glasfasernetze wurden über Jahrzehnte aufgebaut und hatten lange Nutzungsdauern. Im KI-Zyklus fliesst ein grosser Teil der Investitionen in spezialisierte Hardware und Halbleiter, die bereits nach drei bis vier Jahren technologisch überholt sein können.
Damit entsteht ein Spannungsfeld zwischen Investitionshöhe, Nutzungsdauer und Finanzierung. Während die KI-Umsätze zwar deutlich wachsen, liegen sie noch immer hinter den Investitionen zurück. Entscheidend wird sein, ob Unternehmen und Kunden bereit sind, für KI-Anwendungen Preise zu bezahlen, welche die hohen Investitionen langfristig rechtfertigen.
Diese Frage wird am Aktienmarkt zunehmend wichtiger. Die grossen Technologieunternehmen bleiben hochprofitabel, doch der Kapitalbedarf steigt stark. Der Markt beginnt deshalb genauer zu prüfen, ob Investitionen in KI-Infrastruktur tatsächlich zu nachhaltigem Gewinnwachstum führen oder ob sich erste Übertreibungen bilden.
Auffällig ist zudem die hohe Marktkonzentration. In den USA stehen Technologie und die zehn grössten Unternehmen für rund 40 % des S&P 500. Solange diese Schwergewichte gute Ergebnisse liefern, stützt dies den Gesamtmarkt. Gleichzeitig erhöht eine solche Konzentration die Abhängigkeit von wenigen Titeln. Enttäuschungen bei einzelnen Marktführern können deshalb überproportionale Auswirkungen auf die Indizes haben.
Auch die Neuemissionen zeigen die hohe Risikobereitschaft. SpaceX nutzte das günstige Marktumfeld für den grössten Börsengang der Geschichte. Weitere grosse Emissionen aus dem KI-Bereich könnten folgen. Dies unterstreicht die starke Nachfrage nach Wachstums- und Zukunftsthemen, zeigt aber auch, dass die Bewertungsdisziplin wieder stärker geprüft werden sollte.
Der Zinsbereich bleibt wichtig, steht im aktuellen Monitor aber weniger im Vordergrund als im Vormonat. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen haben nach dem Hoch im Mai wieder etwas nachgegeben. Gleichzeitig bleiben die Kreditaufschläge historisch eng. Der Markt signalisiert damit derzeit keine akute Stressphase, obwohl Private-Credit-Risiken und erhöhte Rücknahmen beobachtet werden müssen.
Bei den Notenbanken bleibt das Grundproblem bestehen. Die SNB beliess den Leitzins bei 0 %, die Fed hielt ebenfalls still, während EZB und Bank of Japan erhöhten. Der Inflationsdruck ist weiterhin vor allem angebotsgetrieben. Höhere Zinsen können Energie- oder Rohstoffknappheit nicht direkt lösen, belasten aber Konsum und Investitionen. Genau darin liegt das geldpolitische Dilemma.
Rohstoffe haben sich nach der Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran beruhigt. Brent fiel nach dem starken Anstieg wieder deutlich zurück. Dies entlastet kurzfristig Inflation und Konsumenten. Die weitere Entwicklung hängt jedoch stark vom Verlauf der Verhandlungen und von der nachhaltigen Öffnung wichtiger Handelswege ab.
Zusammenfassend zeigt sich ein Marktumfeld mit starken Aktienmärkten, neuen Rekordständen in der Schweiz und den USA sowie weiterhin hoher Bedeutung des KI-Themas. Gleichzeitig bleiben Konzentrationsrisiken, hoher Kapitalbedarf und geldpolitische Unsicherheit zentrale Faktoren. Für Anleger bleibt deshalb entscheidend, nicht nur auf Indexstände zu schauen, sondern die Treiber dahinter genau zu verstehen.
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