Rekorde mit Nebenwirkungen

Aktienmärkte auf Rekordkurs – Risiken bleiben bestehen
Aktienmärkte auf Rekordkurs – Risiken bleiben bestehen

Die August-Ausgabe des Monitors zeigt ein Marktumfeld, das auf den ersten Blick weiterhin konstruktiv wirkt: Aktienmärkte notieren nahe ihren Allzeithochs, Frühindikatoren erholen sich und die Stimmung in den USA sowie in Europa verbessert sich von tiefen Niveaus aus. Gleichzeitig nehmen die Risiken unter der Oberfläche zu. Besonders auffällig sind die starke Konzentration einzelner Märkte, die hohe Bedeutung der künstlichen Intelligenz und der erneute Druck von Energiepreisen und Produzentenpreisen.

Ein zentrales Thema der aktuellen Ausgabe ist Südkorea. Der KOSPI war im ersten Halbjahr 2026 der beste grosse Aktienmarkt der Welt. Der Index legte zeitweise über 100 % zu. Treiber waren vor allem Samsung und SK Hynix, zwei zentrale Anbieter von Speicherchips, die vom Boom rund um die künstliche Intelligenz stark profitieren. Ihre Gewinne haben sich deutlich verbessert, und sie sind wichtige Bestandteile der globalen Halbleiter-Lieferkette.

Gleichzeitig zeigt Südkorea aber auch, wie schnell aus einer starken Marktbewegung ein Stabilitätsrisiko werden kann. Samsung und SK Hynix erreichten zusammen fast 60 % Indexgewicht. Damit hing ein grosser Teil der Marktperformance von nur zwei Unternehmen ab. Zusätzlich stieg die Verschuldung privater Anleger stark an. Wertschriftenbesicherte Kredite erreichten im Juni umgerechnet rund 26 Mrd. USD, die gesamte Anlegerverschuldung überstieg 40 Mrd. USD.

Als der Markt korrigierte, wurden über 1,2 Mio. Konten mit Nachschussforderungen konfrontiert, rund 350’000 Konten wurden zwangsliquidiert. Die Aufsicht reagierte mit strengeren Regeln für gehebelte Produkte. Das kann den Markt stabilisieren, reduziert aber gleichzeitig die Kaufkraft jener Anleger, die vorher jede Korrektur aufgefangen hatten.

Für Anleger ist die Lehre klar: Ein Markt kann fundamental gute Gründe für steigende Kurse haben und dennoch überhitzen. Entscheidend ist nicht nur das Wachstumsthema, sondern auch die Marktstruktur, die Verschuldung und die Konzentration auf wenige Titel.

Auch die grossen westlichen Aktienmärkte bleiben stark. Viele Indizes der Industrieländer notieren nahe ihren Allzeithochs. Besonders bemerkenswert ist, dass der Schweizer Aktienmarkt im Juli weiter Rekordstände erreichte. Der SMI stieg Ende Juli zeitweise auf 14’466.66 Punkte und markierte damit ein neues Allzeithoch. Damit bestätigt sich, dass sich auch der defensive Schweizer Markt der internationalen Rekordbewegung anschliessen konnte.

In den USA war die Rekorddynamik im ersten Halbjahr besonders ausgeprägt. Der S&P 500 erzielte 24 Rekordschlüsse, der Nasdaq Composite 20. Getragen wurde diese Entwicklung vor allem vom Boom rund um die künstliche Intelligenz und starke Halbleitertitel.

Der Monitor zeigt jedoch, dass diese Stärke nicht unkritisch betrachtet werden sollte. Die Berichtssaison zum zweiten Quartal hat begonnen, und die Zahlen der grossen Technologiewerte werden genauer hinterfragt. Alphabet übertraf zwar die Erwartungen, erhöhte aber gleichzeitig die Investitionsprognose für 2026 erneut deutlich. Der freie Kapitalfluss drehte ins Minus, und der Ausbau der Infrastruktur für die künstliche Intelligenz wird zunehmend über Anleihen oder Aktienemissionen finanziert.

Das ist ein wichtiger Punkt. Anders als in der Technologieblase um das Jahr 2000 wachsen Umsätze und Gewinne heute real und teilweise zweistellig. Das spricht gegen eine einfache Blasenthese. Gleichzeitig nehmen aber die Rekordinvestitionen zu, die Finanzierung wird kapitalintensiver, und die genaue Rendite auf das investierte Kapital bleibt offen. Kritisch wird es dann, wenn das Wachstum im Cloud-Geschäft nachlässt, bevor die hohen Investitionen ausreichend Erträge liefern.

Der Zinsbereich bleibt relevant, soll aber diesmal kürzer eingeordnet werden. Die neu aufflammenden Angriffe im Mittleren Osten treiben Energiepreise und Inflationserwartungen wieder nach oben. Dadurch steigen auch die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen. Die USA notieren bei rund 4,7 %, Grossbritannien bei rund 5 %, Deutschland bei 3,2 % und Japan bei 2,8 %. Die Schweiz bleibt mit rund 0,5 % wegen solider Staatsfinanzen und tiefer Inflation die Ausnahme.

Wichtiger als die absolute Zinshöhe ist aktuell die Frage, ob Anleger für Kreditrisiken noch ausreichend entschädigt werden. Die Risikoaufschläge für Schwellenländer-, Unternehmens- und Hochzinsanleihen bleiben trotz der angespannten Weltlage historisch eng. Der Puffer ist damit gering.

Auf der Konjunkturseite hellt sich das Bild etwas auf. In Deutschland steigen die Erwartungen der Finanzmarktexperten deutlich, und auch Einkaufsmanagerdaten verbessern sich. In den USA erholt sich die Konsumentenstimmung gemäss Universität Michigan weiter von sehr tiefen Niveaus. Eine Normalisierung ist dies aber noch nicht.

Gleichzeitig bleiben die Produzentenpreise erhöht. Japan, USA, Eurozone und China zeigen weiterhin spürbaren Kostendruck. Diese Kosten sind bei den Herstellern bereits angefallen. Entweder werden sie mit Verzögerung an Konsumenten weitergegeben, oder sie belasten die Margen der Unternehmen. Beides ist für Anleger relevant.

Auch die Rohstoffe bleiben ein wichtiger Faktor. Die erneute Eskalation im Persischen Golf hat die Energiepreise wieder deutlich steigen lassen. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Rohstoffen durch Energiewende, Infrastrukturprogramme und höhere Verteidigungsausgaben strukturell unterstützt.

Zusammenfassend zeigt die August-Ausgabe ein Umfeld mit starken Aktienmärkten, aber zunehmenden Konzentrations- und Finanzierungsrisiken. Der Schweizer Aktienmarkt erreicht neue Höchststände, die USA bleiben rekordnah, und Südkorea zeigt, wie schnell Übertreibungen korrigieren können. Für Anleger bleibt entscheidend, nicht nur auf Indexstände zu schauen, sondern auf Marktbreite, Verschuldung, Cashflows und Risikoprämien.

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2026/08 AIP Monitor

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